Rosa y Atilio en Cuesta del Ternero, foto Avkin Pivke Mapu
Von Avkin Pivke Mapu-Komunikación MapuChe

Anfang März hat der internationale Konzern Benetton der Justizbehörde von Esquel einen Antrag auf die „vorläufige Rückgabe“ der 565 Hektar Land, die von der Gemeinde Santa Rosa - Leleque zuvor zurückgewonnen wurden, vorgelegt. Die Begründung hierfür lautet, dass an dieser Stelle „irreparable Schäden“ entstanden sind.




Der leitende Richter, Omar Magallanes, führte am Morgen des 9.Mai, auf Antrag der Mapuche und deren Anwälte, vor Ort eine Inaugenscheinnahme durch um die Sachlage zu überprüfen. Am folgenden Tag gaben Rosa Nahuelquir und Atilio Curiñanco in Cuesta del Ternero (Río Negro) Einzelheiten des richterlichen Besuches sowie der andauernden Verdrängungsversuche von Seiten der Firma Benetton bekannt. Außerdem äußerten sie ihre Bereitschaft, die Mapuche -Gemeinde Quintupuray in ihrem rechtmäßigen Kampf um die Rückgewinnung ihres Territoriums zu unterstützen.

Die Entscheidung des Richters Magallanes wird für Ende Mai erwartet.


Avkin Pivke Mapu (APM): - Der Richter hat letztendlich die Gemeinde Santa Rosa Leleque besucht?

Rosa Nahuelquir (RN): -Letztendlich ist er gekommen, um sich ein Bild von den Angaben Benettons und deren Anwalt zu machen hinsichtlich der Zerstörung und Verschmutzung die wir an diesem Ort angeblich verursachen. Er ist letztendlich gekommen um das alles zu begutachten wobei er uns die positive Seite der Justiz gezeigt hat. Hoffen wir, dass dies ein Zeichen ist. Das Ergebnis werden wir erst Ende des Monats erfahren, dann, wenn er festlegen muss, ob die Räumung durchgeführt oder die einstweilige Verfügung gegen die Gemeinde aufgehoben wird. Erst dann werden wir die Entscheidung des Richters in Erfahrung bringen. Hoffen wir, dass er die richtige Entscheidung treffen wird, eine Entscheidung, die die einstweilige Verfügung zu unserem Gunsten aufhebt. Darauf hofft die Gemeinde.

Atilio Curiñanco (AC): -Die Begehung an sich hat mit der Klage Benettons zu tun. Das Seltsame dabei war, dass weder die Ankläger selbst, noch deren Anwälte anwesend waren, in diesem Moment in dem diese Inaugenscheinnahme erfolgte, auf Seiten des Richters und der großen Anzahl von Leuten, die uns begleiteten.

APM: - Stand den Anwälten ihre Anwesenheit frei oder mussten sie im Rahmen der Inaugenscheinnahme vor Ort sein?

RN: -Ihre Anwesenheit war auch vorgesehen. Wir hatten verlangt dass sowohl der Richter als auch die Anwälte von Benetton vor Ort sein sollten, da sie es schließlich sind, die diese unbegründete Klage gegen uns erheben. Sie hätten sich vom Wahrheitsgehalt ihrer Anklage selbst überzeugen sollen um zu sehen ob diese gerechtfertigt ist. Aber in jenem Moment waren sie nicht anwesend, daher kann ich jetzt auch nichts über mögliche persönliche oder juristische Konsequenzen sagen.


APM: -Welche Teile der Gemeinde hat der Richter besichtigt und was haben Sie ihm gesagt?

RN: -Er hat die Stellen besichtigt, die Benetton in der Klage angeführt hat: dass wir weiterhin gebaut haben, dass wir den Ort und den Bach zerstört haben, dass dieser Bach jetzt nicht mehr existiert und dass wir eine Art Brücke konstruiert haben.


APM: -Was sagte der Richter während seiner Begehung? Hat er die Situation kommentiert?

AC: - Der Richter schien überrascht, dass sich die große Sicherheit der Anklage von Seiten Benettons nicht in den Tatsachen wiederspiegelte. Außerdem hatten wir ihn schon im Vorfeld über die Situation informiert, unter anderem darüber, wie sie uns beschuldigen können Wasser zu verunreinigen, das doch unser eigenes Trinkwasser ist oder wie wir einen Ort zerstören können, wo wir doch davon überzeugt sind, diesen Ort schützen zu müssen, der Teil unserer Natur ist. Und so haben wir ihm nach und nach bewiesen, dass die Anklage nicht mit der Realität übereinstimmt. Daher schien der Richter etwas überrascht davon, an diesem Ort so viele Lügen aufzudecken. Allerdings müsste er eigentlich vertraut sein mit dieser Art von falschen Aussagen, da es sich um die gängige Art handelt nach der die Indios enteignet werden und wurden.


APM: -Haben viele Leute an der Begehung des Richters teilgenommen bzw. sie begleitet und mitverfolgt?

RN: -Ja, es waren viele Personen anwesend. Viele Menschen kamen aus Epuyén, aus El Bolsón, aus Bariloche, Esquel und Lago Puelo.

AC: -Wir fühlen uns niemals alleine. Ich sage immer, dass wir von den Newenes (Kraft/Energie) der Natur, begleitet werden.


APM: -Welches wird der nächste Schritt des Richters nach dieser Inaugenscheinnahme sein?

RN: -Der nächste Schritt des Richters wird jetzt am 29. oder der 30. Mai die Entscheidung sein, ob die Gemeinde enteignet wird oder ob er die Einstweilige Verfügung aufheben wird sodass die Gemeinde ihren Frieden finden kann. Das ist unser Ziel. Wir fordern von der Justiz, dass sie uns als Mapuche anerkennt, dass sie uns als Gemeinde anerkennt, dass sie uns in Frieden leben lässt und wir an diesem Ort unsere Pläne verwirklichen können. Dies liegt nun in der Entscheidung des Richters.


APM: -Welcher Eindruck ist euch nach den Ereignissen an jenem Freitag, dem 9. Mai geblieben?

AC: -An meinem Eindruck hat sich nichts geändert, es bleibt der selbe da wir wissen, dass es sich um ein zweischneidiges Schwert handelt, wenn wir von der Justiz sprechen. Manchmal fällt ein Urteil zu unserem Gunsten aus, andere Male nicht. Daher bleibt der Eindruck immer der selbe. Es hängt oft vom Guten Willen eines Beamten ab. Was die Justiz angeht wissen wir, dass es die Justiz des winka (Weißen) ist. Und trotzdem sind wir überzeugt davon, und das ist das einzige gute Gefühl, dass unsere Mutter Erde uns immer gerecht behandelt.


APM: -Glaubt ihr, dass Benetton weiterhin auf diese Art versuchen wird, die Mapuche aus diesem Gebiet zu vertreiben?

RN: - Ich glaube schon da dieses Land von großem Interesse für Benetton ist. Auch deshalb weil vor einigen Jahren in der Umgebung von Leleque Probebohrungen durchgeführt wurden deren Ergebnisse für ein Goldvorkommen sprechen.
Für Benetton ist dies von großer Bedeutung. Ich denke, dass der Konzern weiterhin darauf bestehen wird, die Mapuche aus diesem Gebiet zu vertreiben. Damit müssen wir ständig rechnen. Wir werden unserem Kampf voller Kraft und mit der selben Überzeugung fortführen mit der wir ihn begonnen haben


APM: -Ihr seid heute in einem Gebiet, das die Mapuche Gemeinde Quintuouray zurückfordert. Was waren die Gründe eures Kommens und warum war es notwendig heute (Samstag, 10. Mai) hier zu sein?

RN: -Es ist ein weiterer Kampf. Ein weiterer Kampf in dem es unsere Pflicht ist die Rückgewinnung zu unterstützen. In diesem Moment werden wir vielleicht nicht so lange bleiben können wie wir gerne möchten, weil wir in unsere Gegend zurück müssen, aber es ist ein Kampf der auch ein wenig dem unsrigen gleicht. Wie ich bereits erwähnte ist der Kampf unter Mapuche wesentlich schmerzhafter. Er muss stattfinden, aber auf eine Art und Weise dass keine der beiden Seiten Schaden nimmt. Wir wollten uns hauptsächlich ein Bild von der aktuellen Lage hier verschaffen. Wir sind sehr zufrieden hierher gekommen zu sein um diese Gemeinde kennen zu lernen und um uns von ihrem Einsatz zu überzeugen. Wir hoffen, dass sie die Kraft dieses Ortes verinnerlichen und sie spüren können. Vielleicht können sie somit anfangen, sich als das zu fühlen, was wir wirklich sind; was sie sind und was auch wir sind: Mapuche. Das ist das Wichtigste.

AC: -Für mich ist und bleibt es ein Kampf unter vielen, von dem wir wissen, dass es der Kampf des Volkes Mapuche ist. Die Entscheidungen die fallen werden, dienen dem Volk der Mapuche, nicht mir oder ihr, sondern die Auseinandersetzung im Allgemeinen und jeder einzelne Sieg geht an das Volk der Mapuche.



APM: -Zum Abschluss: Was würdet ihr den Mapuche sagen, wenn sie euch jetzt hören könnten?

AC: -Dem Volk Mapuche würde ich sagen, dass wir uns nicht viel Zeit lassen können wenn es um Auseinandersetzungen und Zurückgewinnung geht, sondern dass wir rasch an unsere Ziele gelangen sollten. Wir sind davon überzeugt, dass wenn wir anfangen uns Zeit zu nehmen, wir immer längere Fristen haben werden und es sehr viel kostspieliger wird. Wenn es um Entscheidungen geht dürfen wir nicht erst alle Konsequenzen abwägen, da dies, auch wenn es hart klingen mag, unmöglich ist.

RN: -Ich würde das Volk Mapuche vor allem dazu auffordern sich selbst zu achten, sich als das anerkennen, was wir sind. Dann können die Dinge auch voranschreiten und sich in die eine oder andre Richtung entwickeln und das stets mit der Kraft und der Überzeugung von dem was wir sind und was wir sein wollen. Nicht mehr.